RTL - Ein Sender mit Zukunft??Endlich, es ist soweit. Die F1-Saison 2000. Noch spannender, noch homogener, noch professioneller, noch medienlastiger - einfach superlativ. Außer.... ja, außer einer privaten Rundfunkanstalt in Köln. Sie wehrt sich mit Händen und Füßen, oder sollte man lieber sagen: Mit Wasser und Ebel. Im Klartext! Es ist Samstag, früh morgens, so gegen 2:45. RTL geht auf Sendung, Liveschaltung nach Melbourne. Ja, ich bin bereit. Das Training geht los. Zum Glück habe ich am Vortag bei DSF reingeschaut, und somit erfahren, Wer, Wo, Wie und überhaupt. Die beiden Experten in der Kommentatorenkabine sind immer noch sehr "Schumi-fokussiert". Ist ja hinreichend bekannt. Nach ca. 20 bis 30 Minuten (die piccolo-kommentatores haben natürlich nicht versucht meinem uhrzeitbedingten schlafdrang entgegenzuwirken) kommt der Grand-Prix-Zirkus endlich in fahrt. Leider (obwohl zwei an der Zahl) sind die Herren nicht in der Lage die Geschehnisse anhand des Zeitenmonitors und des Fernsehbildes dem Zuschauer näher zu bringen. Sie scheinen auch nicht zu wissen, dass während der nervigen Werbepausen das Training weiterläuft. Ein paar Beispiele: Button wechselt ins T-Car, Herbert bleibt stehen, Heidfeld steigert sich auf Platz 15, usw. Das scheinen die Herren nicht zu merken, aber das die Ferrari Mechaniker verschüttetes Benzin vom Boden wischen, das ist bemerkenswert. Was mich allerdings am meisten nervt, ist die Tatsache, dass ich um 04:00 Uhr nicht wußte, wer sich unter den ersten 10 qualifiziert hat. Das Training wurde bekanntermaßen vorzeitig abgebrochen, aber der Zuschauer wurde nicht umgehend informiert, wie sich die Startaufstellung zusammensetzt. Statt dessen wird Michael Schumacher bedauert, weil er doch bestimmt Poleposition gefahren wäre ... Blabla ... BING ... ein Beitrag wird eingespielt. Ich sehe Centurions, römische Soldaten! Es reicht, ich springe vom Sofa, würde am liebsten die Glotze aus dem Fenster kicken, schalte aber nach einem kurze "omm" einfach aus. Ich wußte nicht einmal, ob die erste Startreihe rein silber ist, oder wie oder was. Ist auch egal, ich will jetzt schlafen! Am nächsten morgen war ich immer noch soooooo sauer, dass ich ernsthaft in Erwägung gezogen habe, die Live-Übertragung am Sonntag zu boykottieren. Ganz recht! Hat denn der Zuschauer keine Ehre? Hmm, ich bin mir nicht sicher, da Ehre in unserer Gesellschaft eine rudimentäre Rolle spielt. Es liegt vielmehr daran, dass der Zuschauer keine Alternative hat. Gott waren die Zeiten schön, als man noch hier in Bayern ORF1 gucken konnte, dieser österreichische Enthusiasmus ist einmalig. Toll war es auch, als Eurosport noch mit John Watson und Ben Edwards unsere Herzen höher schlagen ließ. Leider, die Zeit der Komplementärprodukte ist vorbei. Ups, man könnte sich noch an das Kirch-Imperium versklaven und das gleich aus 6 Perspektiven. RTL läuft Gefahr, dass die Quote demnächst wegbricht. Das liegt daran, dass es sich hier nicht um eine natürliche Monopolstellung handelt. Ein natürlicher Monopol entsteht dadurch, dass der Kunde (Zuschauer) freiwillig, aus Gründen der qualitativen Einzigartigkeit zum "werdenden Monopolisten" wechselt. Dies ist wohl mehr als offensichtlich bei RTL nicht der Fall. Also, Zitat Marcellos Wallace: "Scheiss auf den Stolz!". Einen Lichtblick gibt es allerdings: Florian König und Nicki Lauda, danke Jungs! |